Was eine Erstberatung beim Anwalt für Verkehrsrecht höchstens kostet
Für ein erstes Beratungsgespräch dürfen Anwälte von Verbrauchern höchstens 190 Euro netto verlangen. Diese Grenze steht in § 34 Absatz 1 Satz 3 des Rechtsanwaltsvergütungsgesetzes (RVG). Auf den Betrag kommt noch die Umsatzsteuer, aus 190 Euro werden also 226,10 Euro. Verbraucher ist, wer die Beratung nicht für sein Gewerbe oder seine selbstständige Tätigkeit braucht.
Die Grenze greift nur, wenn Sie nichts anderes vereinbart haben. Das Gesetz fordert den Anwalt ausdrücklich auf, auf eine Gebührenvereinbarung hinzuwirken. Kommt keine zustande, gilt der Deckel. Für eine Beratung, die über das erste Gespräch hinausgeht, oder für ein schriftliches Gutachten liegt die Obergrenze bei 250 Euro netto.
- Höchstgebühr für ein erstes Beratungsgespräch mit einem Verbraucher
- 190 Euro netto
- § 34 Absatz 1 Satz 3 RVG, Stand 8. Dezember 2025
- Rahmen der Verfahrensgebühr im Bußgeldverfahren bei 80 bis 5.000 Euro Geldbuße
- 36 bis 348 Euro
- Nummer 5103 des Vergütungsverzeichnisses zum RVG, Stand 8. Dezember 2025
- Pauschale für Post und Telekommunikation je Angelegenheit
- 20 Prozent der Gebühren, höchstens 20 Euro
- Nummer 7002 des Vergütungsverzeichnisses zum RVG, Stand 8. Dezember 2025
Ein Erstgespräch lohnt sich vor allem dort, wo eine Frist läuft. Der Einspruch gegen einen Bußgeldbescheid muss binnen zwei Wochen bei der Behörde sein. Wer erst nach drei Wochen zum Anwalt geht, kauft für 190 Euro nur noch die Auskunft, dass der Bescheid rechtskräftig ist.
Was der Anwalt im Bußgeldverfahren abrechnet
Im Bußgeldverfahren gibt es keine festen Preise, sondern Rahmengebühren. Der Anwalt bestimmt innerhalb des Rahmens selbst, was seine Arbeit wert war. Die Rahmen stehen in Teil 5 des Vergütungsverzeichnisses, das als Anlage 1 zum RVG gehört. Wie hoch der Rahmen ausfällt, hängt an der Höhe der Geldbuße und daran, in welchem Abschnitt des Verfahrens der Anwalt tätig wird.
Abschnitte sind das Verfahren vor der Verwaltungsbehörde, das gerichtliche Verfahren vor dem Amtsgericht und die Rechtsbeschwerde. Jeder Abschnitt löst eine eigene Verfahrensgebühr aus, Termine zusätzlich eine Terminsgebühr. Die Grundgebühr für die erstmalige Einarbeitung entsteht nur einmal, gleich in welchem Abschnitt der Anwalt einsteigt.
| Nummer im Vergütungsverzeichnis | Wofür die Gebühr anfällt | Höhe der Geldbuße | Rahmen in Euro |
|---|---|---|---|
| 5100 | Grundgebühr für die erstmalige Einarbeitung, einmalig | ohne Bedeutung | 36 bis 204 |
| 5101 | Verfahrensgebühr vor der Verwaltungsbehörde | unter 80 Euro | 24 bis 132 |
| 5103 | Verfahrensgebühr vor der Verwaltungsbehörde | 80 bis 5.000 Euro | 36 bis 348 |
| 5105 | Verfahrensgebühr vor der Verwaltungsbehörde | über 5.000 Euro | 48 bis 360 |
| 5109 | Verfahrensgebühr vor dem Amtsgericht | 80 bis 5.000 Euro | 36 bis 348 |
| 5110 | Terminsgebühr je Hauptverhandlungstag | 80 bis 5.000 Euro | 48 bis 564 |
| 5113 | Verfahrensgebühr der Rechtsbeschwerde | ohne Bedeutung | 96 bis 671 |
| 5115 | Zusatzgebühr, wenn die Hauptverhandlung dadurch entfällt | ohne Bedeutung | so hoch wie die Verfahrensgebühr |
Die Zusatzgebühr nach Nummer 5115 ist der Grund, warum eine frühe anwaltliche Mitwirkung die Rechnung nicht zwangsläufig verdoppelt. Erledigt sich das Verfahren durch seine Arbeit, ohne dass es zur Hauptverhandlung kommt, verdient der Anwalt die Verfahrensgebühr ein zweites Mal. Er hat also kein Gebühreninteresse daran, den Termin um jeden Preis herbeizuführen.
Innerhalb des Rahmens ist die Gebühr nicht frei gegriffen. § 14 Absatz 1 RVG nennt die Maßstäbe, an die der Anwalt gebunden ist.
- Umfang der Arbeit: eine Akte mit Messvideo, Gerätedokumentation und Sachverständigengutachten wiegt schwerer als ein einseitiger Bescheid.
- Schwierigkeit: eine Rechtsfrage, zu der die Oberlandesgerichte auseinandergehen, rechtfertigt mehr als die Mitte des Rahmens.
- Bedeutung der Sache für Sie: ein drohendes Fahrverbot für einen Berufskraftfahrer wiegt schwerer als 60 Euro Verwarnungsgeld.
- Ihre Einkommens- und Vermögensverhältnisse: sie können die Gebühr nach unten wie nach oben verschieben.
- Das Haftungsrisiko des Anwalts, das bei Rahmengebühren ohne Gegenstandswert zwingend zu berücksichtigen ist.
Zahlt ein Dritter, also meist eine Versicherung, ist die Bestimmung des Anwalts nicht bindend, wenn sie unbillig ist (§ 14 Absatz 1 Satz 4 RVG). Streiten Anwalt und Versicherer über die Höhe, holt das Gericht ein kostenloses Gutachten des Vorstands der Rechtsanwaltskammer ein.
Was ein Strafverfahren nach Alkohol oder Unfallflucht kostet
Sobald aus der Ordnungswidrigkeit eine Straftat wird, gilt nicht mehr Teil 5, sondern Teil 4 des Vergütungsverzeichnisses. Das betrifft die Trunkenheitsfahrt nach § 316 StGB, die Gefährdung des Straßenverkehrs nach § 315c StGB und das unerlaubte Entfernen vom Unfallort nach § 142 StGB. Die Rahmen liegen höher, weil mehr auf dem Spiel steht.
| Nummer im Vergütungsverzeichnis | Wofür die Gebühr anfällt | Rahmen in Euro |
|---|---|---|
| 4100 | Grundgebühr für die erstmalige Einarbeitung, einmalig | 48 bis 432 |
| 4104 | Verfahrensgebühr im Ermittlungsverfahren | 48 bis 348 |
| 4106 | Verfahrensgebühr im ersten Rechtszug vor dem Amtsgericht | 48 bis 348 |
| 4108 | Terminsgebühr je Hauptverhandlungstag | 84 bis 576 |
Zu den Gebühren kommen die Auslagen. Die Pauschale für Post und Telekommunikation beträgt 20 Prozent der Gebühren, höchstens aber 20 Euro je Angelegenheit (Nummer 7002). Fährt der Anwalt mit dem eigenen Wagen zum Gericht, rechnet er Kilometergeld ab. Am Ende steht die Umsatzsteuer in voller Höhe (Nummer 7008).
Warum das Strafverfahren teurer wird als das Bußgeldverfahren, liegt an seinen Folgen. Das Strafgericht kann die Fahrerlaubnis entziehen und eine Sperre von sechs Monaten bis zu fünf Jahren aussprechen (§ 69a Absatz 1 StGB). Ein Fahrverbot in der Bußgeldsache endet nach höchstens drei Monaten von selbst. Eine entzogene Fahrerlaubnis dagegen muss nach Ablauf der Sperre neu beantragt werden, und die Behörde prüft dabei die Eignung erneut.
Wer Ihnen die Anwaltskosten am Ende erstattet
Wer den Anwalt bezahlt, entscheidet sich nicht beim Auftrag, sondern am Ausgang. Drei Wege führen dazu, dass die Rechnung nicht bei Ihnen bleibt: der Schadensersatz nach einem fremdverschuldeten Unfall, die Staatskasse nach Freispruch oder Einstellung und die Rechtsschutzversicherung.
Hat ein anderer den Verkehrsunfall allein verschuldet?
Die Haftpflichtversicherung des Verursachers erstattet die Anwaltskosten als Teil des Schadens nach § 249 BGB. Bei einer Haftungsquote von 50 Prozent erstattet sie auch nur die Hälfte, den Rest tragen Sie oder Ihre Rechtsschutzversicherung.
Endete Ihr Bußgeld- oder Strafverfahren mit Freispruch oder Einstellung?
Die Staatskasse trägt Ihre notwendigen Auslagen und damit das Anwaltshonorar (§ 467 Absatz 1 StPO, im Bußgeldverfahren über § 46 Absatz 1 OWiG). Stellt das Gericht nach Ermessen ein, kann es davon absehen.
Besteht eine Verkehrsrechtsschutzversicherung, und lautet der Vorwurf nicht auf Vorsatz?
Der Versicherer zahlt die gesetzlichen Gebühren, meist abzüglich der vereinbarten Selbstbeteiligung. Holen Sie die Deckungszusage ein, bevor der Anwalt anfängt.
Sie tragen das Honorar selbst. Klären Sie vor dem Auftrag, wo im Gebührenrahmen der Anwalt sich sieht, und lassen Sie sich die Summe schriftlich nennen.
Der Freispruch ist der klarste Fall. § 467 Absatz 1 StPO legt die notwendigen Auslagen des Betroffenen der Staatskasse auf, wenn er freigesprochen oder das Verfahren eingestellt wird. Über § 46 Absatz 1 OWiG gilt das auch im Bußgeldverfahren. Zwei Einschränkungen stehen im selben Paragrafen: Kosten, die Sie durch schuldhafte Säumnis verursacht haben, bleiben bei Ihnen, und bei einer Einstellung nach Ermessen kann das Gericht von der Erstattung absehen.
Was die Verkehrsrechtsschutzversicherung übernimmt und was nicht
Eine Verkehrsrechtsschutzversicherung übernimmt im Regelfall Anwaltsgebühren, Gerichtskosten, Sachverständigenkosten und Zeugenauslagen. Wie weit der Schutz genau reicht, steht nicht im Gesetz, sondern in den Versicherungsbedingungen Ihres Vertrags. Zwei Einschränkungen tauchen dort regelmäßig auf, und beide treffen genau die Fälle, in denen Verkehrsrecht teuer wird.
- Wartezeit: Für viele Leistungsarten beginnt der Schutz erst Monate nach Vertragsschluss. Für die Abwehr von Straf- und Bußgeldvorwürfen entfällt sie in zahlreichen Tarifen, für andere Bereiche nicht. Lesen Sie die Bedingungen, bevor Sie sich darauf verlassen.
- Vorsatz: Wird Ihnen eine vorsätzliche Tat rechtskräftig nachgewiesen, entfällt der Schutz rückwirkend, und der Versicherer fordert gezahlte Vorschüsse zurück. Bei fahrlässiger Begehung bleibt er bestehen.
- Selbstbeteiligung: Sie ist je Rechtsschutzfall vereinbart und wird von der Erstattung abgezogen.
- Deckungszusage: Fragen Sie sie vor dem ersten Schriftsatz ab. Der Anwalt holt sie auf Wunsch ein, und erst danach steht fest, was der Versicherer trägt.
Die Trennlinie zwischen Vorsatz und Fahrlässigkeit ist im Verkehrsrecht keine Feinheit, sondern der Unterschied zwischen Deckung und keiner Deckung. Der Bußgeldkatalog rechnet in seinem Abschnitt I mit fahrlässiger Begehung. Wird ein Tatbestand vorsätzlich verwirklicht und liegt der Regelsatz über 55 Euro, verdoppelt § 3 Absatz 4a der Bußgeldkatalog-Verordnung die Geldbuße. Aus 180 Euro für 26 km/h zu viel innerorts werden dann 360 Euro.
Eine belastbare bundesweite Statistik dazu, wie oft Verkehrsrechtsschutzversicherer die Deckung verweigern, liegt nicht vor. Wer Zahlen dazu liest, sollte prüfen, wer sie erhoben hat.
Woran Sie einen Fachanwalt für Verkehrsrecht erkennen
Fachanwalt für Verkehrsrecht ist eine geschützte Bezeichnung. Sie wird von der Rechtsanwaltskammer verliehen, nicht selbst gewählt. Wer sie führt, hat einen Lehrgang von mindestens 120 Zeitstunden besucht, mindestens drei schriftliche Aufsichtsarbeiten in Präsenzform bestanden und praktische Erfahrung nachgewiesen.
Die Fallzahl steht in § 5 Absatz 1 Buchstabe k der Fachanwaltsordnung: 160 Fälle innerhalb der letzten fünf Jahre vor dem Antrag, davon mindestens 60 gerichtliche Verfahren. Die Fälle müssen aus mindestens drei verschiedenen Bereichen des § 14d der Fachanwaltsordnung stammen, je Bereich mindestens fünf. Diese Bereiche sind Verkehrszivilrecht, Versicherungsrecht, Verkehrsstraf- und Ordnungswidrigkeitenrecht, Verkehrsverwaltungsrecht sowie die Besonderheiten der Verfahrens- und Prozessführung.
Der Titel erlischt nicht von selbst, aber er ist an eine jährliche Pflicht gebunden. Nach § 15 Absatz 3 der Fachanwaltsordnung muss ein Fachanwalt je Fachgebiet mindestens 15 Zeitstunden im Kalenderjahr fortbilden, höchstens fünf davon im Selbststudium mit Lernerfolgskontrolle. Der Nachweis geht unaufgefordert an die Kammer.
- Schlagen Sie den Namen im Bundesweiten Amtlichen Anwaltsverzeichnis der Bundesrechtsanwaltskammer nach. Die Einzelabfrage ist kostenlos und ohne Anmeldung möglich.
- Prüfen Sie dort, ob die Bezeichnung Fachanwalt für Verkehrsrecht eingetragen ist. Formulierungen wie Schwerpunkt Verkehrsrecht oder Interessenschwerpunkt sind etwas anderes und sagen nichts über eine bestandene Prüfung aus.
- Fragen Sie im Erstgespräch, wie viele Bußgeld- oder Unfallsachen die Kanzlei im laufenden Jahr bearbeitet hat. Die Antwort ordnet ein, was der Titel allein nicht zeigt.
- Klären Sie, wer Ihre Akte führt. Der Titel gehört einer Person, nicht der Kanzlei.
- Lassen Sie sich die voraussichtliche Gebühr innerhalb des Rahmens nennen, bevor Sie den Auftrag erteilen.
Ohne Fachanwaltstitel darf jede zugelassene Anwältin und jeder zugelassene Anwalt im Verkehrsrecht tätig werden. Der Titel ist ein belegter Erfahrungsnachweis, keine Zulassungsvoraussetzung und keine Aussage über den Ausgang Ihres Verfahrens.
Häufige Fragen
Was darf ein Anwalt für Verkehrsrecht für eine Erstberatung verlangen?
Von Verbrauchern höchstens 190 Euro netto für ein erstes Beratungsgespräch, mit Umsatzsteuer also 226,10 Euro. Die Grenze steht in § 34 Absatz 1 Satz 3 RVG und gilt nur, solange keine abweichende Vergütungsvereinbarung getroffen wurde. Für eine weitergehende Beratung oder ein schriftliches Gutachten liegt die Grenze bei 250 Euro netto.
Zahlt die Staatskasse meinen Anwalt, wenn der Bußgeldbescheid aufgehoben wird?
Bei Freispruch oder Einstellung trägt die Staatskasse die notwendigen Auslagen des Betroffenen und damit das Anwaltshonorar. Rechtsgrundlage ist § 467 Absatz 1 StPO, der über § 46 Absatz 1 OWiG auch im Bußgeldverfahren gilt. Erstattet werden die gesetzlichen Gebühren nach dem RVG, nicht ein darüber hinaus vereinbartes Honorar.
Wie hoch sind die Anwaltsgebühren bei einem Bußgeld von 180 Euro?
Bei einer Geldbuße zwischen 80 und 5.000 Euro gilt für die Verfahrensgebühr vor der Verwaltungsbehörde ein Rahmen von 36 bis 348 Euro (Nummer 5103 des Vergütungsverzeichnisses zum RVG). Dazu kommt einmalig die Grundgebühr von 36 bis 204 Euro (Nummer 5100), die Auslagenpauschale von höchstens 20 Euro und die Umsatzsteuer. Wo im Rahmen die Gebühr liegt, bestimmt der Anwalt nach § 14 RVG.
Übernimmt die gegnerische Versicherung nach einem Unfall meinen Anwalt?
Bei alleiniger Schuld des Unfallgegners gehören die Kosten der Rechtsverfolgung zum ersatzfähigen Schaden nach § 249 BGB, seine Haftpflichtversicherung erstattet sie also. Steht eine Haftungsquote fest, wird auch das Anwaltshonorar nur in dieser Quote erstattet. Bei 50 Prozent Mitverschulden bleibt die Hälfte bei Ihnen oder bei Ihrer Rechtsschutzversicherung.
Was unterscheidet einen Fachanwalt für Verkehrsrecht von einem Anwalt mit Schwerpunkt Verkehrsrecht?
Den Fachanwaltstitel verleiht die Rechtsanwaltskammer. Er setzt einen Lehrgang von mindestens 120 Zeitstunden, mindestens drei bestandene Aufsichtsarbeiten und 160 bearbeitete Fälle in fünf Jahren voraus, davon 60 gerichtliche Verfahren (§ 4, § 4a und § 5 Absatz 1 Buchstabe k der Fachanwaltsordnung). Eine Angabe wie Schwerpunkt Verkehrsrecht ist dagegen eine Selbstbezeichnung ohne geprüfte Voraussetzungen.
Lohnt sich ein Anwalt bei einem Verwarnungsgeld von 30 Euro?
Wirtschaftlich in aller Regel nicht, denn schon die Grundgebühr beginnt bei 36 Euro und liegt damit über dem Verwarnungsgeld. Bei Beträgen bis 55 Euro erhebt die Behörde ein Verwarnungsgeld, das nicht im Fahreignungsregister eingetragen wird, es drohen also weder Punkte noch ein Fahrverbot. Anders sieht es aus, sobald Punkte, ein Fahrverbot oder eine Fahrtenbuchauflage im Raum stehen.